Kierberger Wassermühlen

Bis zum Aufschluss der Grube Gruhlwerk und der Inbetriebnahme der Brikettfabrik Gruhlwerk I (um 1890) floss der Siegesbach aus dem Gebiet des heutigen Bleibtreusees in Richtung Kierberg. Er war einst in der Lage gewesen, zwischen Heide und Brühl sieben Mühlen mit Wasser zu versorgen. Eine weitere Mühle wurde vom Elftergraben angetrieben. In der heutigen Straße Kloster Benden befand sich der Zusammenfluss von Elftergraben und Siegesbach, der ab dieser Stelle später Mühlenbach genannt wurde. Die Dorfgemeinschaft erinnert mit einer Mühlentafel am Siegesbach am Ende der Talstraße an die Kierberger Wassermühlen.

Vermutlich hat es schon zur Römerzeit am Vorgebirge Mühlen gegeben. Auch später wurden Wassermühlen nach römischem Vorbild gebaut. Man kann davon ausgehen, dass bei der Errichtung des Tafelhofes ,,Merreche“ (Kierberg) (in der Merowingerzeit, 7. Jahrhundert), ebenfalls eine Mühle angelegt wurde.

Mühlen befanden sich niemals unmittelbar am Bachlauf, sondern oft an einem Mühlenteich oder an einem Wehr. Um den Wasserlauf regulieren zu können, war ein sogenanntes Gerinne notwendig, mit dem das Wasser zum Mühlrad geführt wurde. Esel halfen, schwere Korn- und Mehlsäcke zu tragen.

Erzbischöfliche Mühlen waren zumeist Bannmühlen: Für alle im Umkreis ansässigen Bauern bestand Mahlzwang. Noch um das Jahr 1000 mahlten die Menschen das Mehl für ihren täglichen Brei von Hand. Sogar ihre Handmühlen wurden zerstört, so dass bereits die kleinste Menge Korn gegen eine entsprechende Abgabe in der Herrenmühle gemahlen werden musste.

Kierberger Mühlen

  1. Die Bender Ölmühle befand sich oberhalb der Bender Kornmühle am Elftergraben, dort, wo heute das Heiligenhäuschen ,,Maria Hilf“  in  Heide steht. In dieser Mühle wurde Raps und Rübsamen gepresst.
  2. Die Bender Kornmühle, auch ,,Mahlmühle am Kloster“ oder „Klostermühle“ genannt, war nahe dem Kloster St. Maria in den Benden gelegen. Sie ist seit 1231 als Klostermühle belegt.
  3. Die Theismühle wird erstmals 1319 erwähnt.  Damals hieß sie „Hederichsmühle“. Sie war die „Untere Mahlmühle“ des Klosters Benden und befand sich an der heutigen Ecke Friedrich-Ebert-Straße / Mühlenberg. Sie wurde im Volksmund nach Mattheis Frühe benannt, der diese Mühle seit dem Jahr 1720 gepachtet hatte.
  4. Die Obere Stadtmühle – heute Mühlenhof – wird erstmals im Jahre 1372 urkundlich erwähnt und erhielt später den Namen „Obere Stadtmühle“. Da sie vermutlich schon zur Merowingerzeit, im 7. Jahrhundert, errichtet wurde, kann sie als die älteste Mühle  im Verlauf des Sieges- bzw. Mühlenbaches gelten. Nach ihrem letzten Besitzer wurde sie auch ,,Rolshovensmühle“ genannt.
  5. Die Röntnichsmühle war früher vermutlich eine Ölmühle. Sie lag an der heutigen Straße Lohmühle, an der Ecke Mühlenberg. Weiteres  ist nicht bekannt.
  6. In der Lohmühle wurde früher aus zerkleinerten Baumrinden und -früchten (Eicheln und Kastanien) die sogenannte Gerblohe hergestellt, die zum Gerben von Tierhäuten benötigt wurde. Die  Lohmühle wird erstmals 1591 erwähnt. Sie lag in der heutigen Straße Im Mühlengrund. Nach ihren Besitzern wurde sie auch „Burghardsmühle“ bzw. „Eulsmühle“ genannt. Bis etwa 1950 gehörte das Anwesen dem Landwirt Heinrich Schall. Ein Mühlstein im Vorgarten des Hauses Im Mühlengrund 4 erinnert daran, dass hier einst eine Mühle stand.
  7. Die Pantaleonsmühle – Mittlere Stadtmühle entstand wahrscheinlich um das Jahr 1067, als der Kölner Erzbischof Anno die Herrschaft Vochem von Merreche abtrennte und dem Stift St. Georg zu Köln schenkte. Weil in Vochem kein mühlenfähiger Bach floss, wurde diese Mühle auf Merrecher Gebiet errichtet. Archivalisch findet sie erstmals 1425 Erwähnung. Leider existiert keine genaue Angabe über ihren Standort. Vermutlich befand sie sich in der heutigen Straße Mühlenbach Nr. 42 oder 33. Den Namen „Pantaleonsmühle“ erhielt sie allerdings erst 1731. Nach ihren Pächtern wurde sie später auch „Ippensmühle“ genannt.
  8. Die Untere Stadtmühle wurde um 1185 errichtet und lag oberhalb der Stelle, an welcher der Mühlenbach in den Brühler Stadtgraben floss: hinter der heutigen Häuserzeile Mühlenstraße 79 – 87. Sie gehörte, ebenso wie die „Obere Stadtmühle“, lange Zeit dem Kölner Erzbischof.

Die Dorfgemeinschaft bedankt sich bei  allen, die einen Beitrag zur Gestaltung der Kierberger Mühlentafel geleistet haben. Als Quellen für die Texte / Illustrationen wurde verwendet: Günter Krüger: Lebensbilder aus sieben Jahrhunderten, Stadt Brühl 1285 – 1985, Brühl 1985, Dr. Jutta Becher:  „Glück zu!“ Die Geschichte der Brühler Mühlen (Wissenschaftliche Beiträge  zur Brühler Geschichte. Beilagen zu den Brühler Heimatblättern, 59. Jahrgang, 2002 ,Heft 4). Informationen zum ursprünglichen Verlauf des Siegesbaches bis zu seiner Renaturierung verdanken wir Wilhelm von Dewitz vom NABU Erftkreis. Marie-Luise Sobczak (Stadt Brühl – Untere Denkmalbehörde)  hat die Standorte der Mühlen lokalisiert; Günther Frerker zeichnete die Umgebungskarte. Digitale Überarbeitung: Walter Nürnberg. Die Kreissparkasse Köln hat die Kierberger Mühlentafel mit einer großzügigen Spende weitgehend finanziert.